Hauptinhalt

Wir sind das Volk – 25 Jahre Mauerfall in der Region Rostock


"Wir sind das Volk" - 25 Jahre Mauerfall in der Region Rostock


Interview Mauerfall

Schülerinnen und Schüler der Werkstattschule in Rostock beschäftigen sich mit der Wendezeit in der Region Rostock. Recherchen in Archiven, Exkursionen und vor allem Zeitzeugenbefragungen standen dabei im Mittelpunkt.


von Sven Bogenschneider

Ausgangspunkt des Projektes war die Situation in der DDR und im gesamten Ostblock seit den frühen 1980er Jahren. Wir informierten uns über die historischen Abläufe der Wendezeit seit Mitte der 1980er Jahre und ordneten dabei Einzelbiografien von Betroffenen in den regionalhistorischen Kontext ein. Der 25. Jahrestag des Mauerfalls wurde zum Anlass genommen einmal zurückzublicken. Viele verbinden mit der Wendezeit nur die Jahre 1989 und 1990. Aber dieser Prozess setzte schon sehr viel früher ein. Spätestens ab der zweiten Ölkrise 1979/80 begann der wirtschaftliche Niedergang der DDR. Die Versorgung der Bevölkerung mit Konsumgütern verschlechterte sich zusehends. (...)

Hinzu kam natürlich die politische Situation. Grundrechte wurden massiv eingeschränkt, so herrschten keine Reisefreiheit und auch kein Recht auf freie und geheime Wahlen. Die Bevölkerung wurde immer unzufriedener. Dadurch erreichte auch die Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit neue Höhepunkte und wurde immer lückenloser. Freunde, Verwandte und sogar Ehepartner waren als Inoffizielle Mitarbeiter der Stasi tätig. Der Prozess gesellschaftspolitischen Wandels in der DDR setzte spätestens ab Mitte der 1980er Jahre ein. (...)

Während der Umbruchszeit 1989 waren die Rostocker Kirchen Anlaufstellen oppositioneller Kräfte. So fanden bspw. in der Marienkirche Mahngottesdienste statt. Am 19. Oktober 1989 fand die erste Donnerstagsdemonstration statt. Ende November gründete sich in Rostock ein Runder Tisch, um aktiv den politischen Umbruch mitzugestalten. Am 4. Dezember erzwang eine Gruppe von Bürgern Einlass in die Stasi-Zentrale und ein Bürgerkomitee übernahm gemeinsam mit Polizei und Staatsanwaltschaft die Kontrolle.

Die Schülerinnen und Schüler gingen im Projekt auf Spurensuche. Wie erlebte Rostock die Wendezeit? Was ist in Rostock während der Zeit der DDR geschehen? Wie erlebten unsere Zeitzeugen die Zeit nach der Wende? Das waren nur einige der Fragen, denen die Schülerinnen und Schüler nachgingen. Sie lernten die historischen Abläufe der Wendezeit kennen und ordneten dabei Einzelbiografien von Betroffenen in den regionalgeschichtlichen Kontext ein und gingen der Entwicklung der letzten 25 Jahre auf den Grund. Sie wurden in alle Belange der Durchführung des Projektes mit einbezogen. In der Vorbereitungsphase äußerten sie ihre Wünsche zu den Inhalten der theoretischen Projekteinheiten.

Hierbei wurde Hintergrundwissen zu den Themen Was sind eigentlich Geschichtsquellen? Welche Arten gibt es und was ist ihre Funktion?, Die Geschichte des Ostblocks und speziell der DDR, Die Geschichte der Wendezeit in der Region Rostock, Das Ministerium für Staatssicherheit in Rostock und Das Leben in der DDR erarbeitet. Auch die Frage nach der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit und Politikverdrossenheit seit der Wende war ein Thema. Des Weiteren wurden theoretische Grundlagen für die Zeitzeugenbefragungen gelegt. So beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Quellengehalt von Zeitzeugenaussagen, mit der Methodik der Gesprächsführung und führten Kommunikationsübungen durch, welche die Interviews vorbereiteten.

Im Stadtarchiv Rostock, der Stadtbibliothek und der Universitätsbibliothek lernten die Schülerinnen und Schüler an außerschulischen Lernorten die Methodik der Recherche kennen und wählten dabei konkrete Themen für die Recherchen aus. Diese richteten sich auch nach den gewonnenen Kenntnissen der Zeitzeugenaussagen. Exkursionen, bspw. in die Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit in Rostock oder die BStU-Außenstelle machten regionale Geschichte erlebbar.

Die Zeitzeugen wurden von den Schülerinnen und Schülern ausgewählt, dabei entschieden sie anhand eines vorab zusammengestellten Interviewleitfadens, in welche Richtung die Befragungen gehen sollten. Vor den Befragungen erarbeiteten sich die Schülerinnen und Schüler auch das notwendige Hintergrundwissen zu jedem Zeitzeugen. Auch die Organisation und Durchführung der Befragungen lag in ihrer Hand. Am Ende des Projektes sichteten sie das erarbeitete Material und werteten es quellenkritisch aus. Der Projektbegleiter stand in jeder Phase des Projektes hilfreich und mit historischer Sachkenntnis zur Seite und leitete die Schülerinnen und Schüler entsprechend an.

Am Ende des Projektes wurden alle Materialien gesichtet und eine fiktive oppositionelle Zeitung angefertigt: "Die Taschenlampe“, erschienen am 8. November 1989, deckt Missstände auf, benennt Probleme und widmet sich "investigativ" dem politischen System der DDR. Dabei versetzten sich die Schülerinnen und Schüler in die Lage der Oppositionellen der damaligen Zeit. "Die Taschenlampe" wird für den Projektbegleiter ein wichtiges Hilfsmittel für den Geschichtsunterricht.

Schule: Werkstattschule Rostock
Begleiter:
Sven Bogenschneider